Gesetzliche Rente oder ETF: die kurze Antwort
Rein auf die Monatsrente geschaut, bringt derselbe Beitrag in einem breiten Aktien-ETF meist mehr als in der gesetzlichen Rente – bei 6 % Rendite grob das Doppelte. Aber: Im Angestelltenverhältnis zahlst du nur die Hälfte selbst, und für deinen eigenen Anteil ist die gesetzliche Rente ungefähr gleichauf mit dem ETF. Dazu kommen lebenslange Zahlung, Erwerbsminderungsrente und Hinterbliebenenschutz. Für Angestellte stellt sich die Frage ohnehin nicht, sie sind pflichtversichert. Echt ist sie für die meisten Selbstständigen.
Mit deinen eigenen Zahlen: Der Rechner Gesetzliche Rente vs. ETF stellt beide Wege nebeneinander, in heutiger Kaufkraft.
Wie die gesetzliche Rente funktioniert
Die gesetzliche Rente ist ein Umlageverfahren: Die Beiträge von heute zahlen die Renten von heute. Du sammelst dafür keine Euro auf einem Konto, sondern Entgeltpunkte. Wer genau das Durchschnittsentgelt verdient (2026: 51.944 €), bekommt einen Punkt pro Jahr. Bei halbem Durchschnitt ist es ein halber Punkt, über der Beitragsbemessungsgrenze von 101.400 € gibt es nicht mehr.
| Größe 2026 | Wert |
|---|---|
| Beitragssatz | 18,6 % (je 9,3 % Arbeitnehmer und Arbeitgeber) |
| Rentenwert je Entgeltpunkt (ab 01.07.2026) | 42,52 € Monatsrente |
| Beitrag für einen Punkt | rund 9.660 € im Jahr |
| Standardrente (45 Jahre Durchschnitt) | rund 1.913 € brutto |
| Regelaltersgrenze | 67 für Jahrgänge ab 1964 |
Der Rentenwert steigt jedes Jahr ungefähr mit den Löhnen, 2026 um 4,24 %. Bis 2031 gilt eine Haltelinie: Das Rentenniveau soll nicht unter 48 % fallen. Was danach kommt, entscheidet die Politik.
Und der ETF?
Ein ETF-Sparplan ist Kapitaldeckung: Dein Geld liegt in deinem Depot, wächst mit den Börsen und gehört dir. Langfristig haben breite Welt-Aktienindizes nominal grob 6–8 % im Jahr gebracht, real nach Inflation etwa 4–5 % – mit zwischenzeitlichen Einbrüchen von 30–50 %. Im Alter entnimmst du nach und nach, bis das Depot leer ist, oder lässt den Rest vererben. Grundlagen: ETF-Sparplan: so viel kommt am Ende raus.
Der Zahlenvergleich: 3.500 € brutto
30 Jahre alt, Rente mit 67, also 37 Beitragsjahre. Rentenbeitrag 651 € im Monat, davon 325,50 € aus eigener Tasche. ETF mit 6 % Rendite, 0,2 % TER, 2 % Inflation; Auszahlung über 25 Jahre bei 4 %. Alles in heutiger Kaufkraft, brutto.
| Variante | Monatsrente | Läuft |
|---|---|---|
| Gesetzliche Rente | rund 1.270 € | lebenslang |
| ETF mit vollem Beitrag (651 €) | rund 2.580 € | bis 92 |
| ETF nur mit eigenem Anteil (325,50 €) | rund 1.290 € | bis 92 |
Um die 1.270 € gesetzliche Rente für 25 Jahre selbst auszuzahlen, bräuchtest du rund 302.000 € Kapital mit 67. Das ist die Summe, die deine Rentenansprüche grob „wert“ sind – auch wenn du sie nirgends auf einem Kontoauszug siehst.
Was die Zahl nicht zeigt
| Thema | Gesetzliche Rente | ETF |
|---|---|---|
| Sehr langes Leben | zahlt bis zum Tod | Depot kann aufgebraucht sein |
| Erwerbsminderung | Erwerbsminderungsrente, Reha | kein Schutz, Sparplan stoppt |
| Tod | Witwen-/Witwer- und Waisenrente | Depot geht an die Erben |
| Börsencrash kurz vor Rente | egal | kann Jahre kosten |
| Politisches Risiko | Rentenniveau kann sinken | Steuerregeln können sich ändern |
| Zugriff vor der Rente | keiner | jederzeit |
| Abzüge im Alter | Einkommensteuer, KV/PV rund 11–12 % | Abgeltungsteuer nur auf den Gewinnanteil |
Die Absicherung gegen Erwerbsminderung und Tod hat einen echten Geldwert. Privat kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung schnell 50–150 € im Monat, eine Risikolebensversicherung je nach Alter 10–40 €. Wer die gesetzliche Rente durch einen ETF ersetzt, muss diese Kosten mitrechnen.
Angestellte: keine Wahl, aber ein guter Deal
Angestellte sind pflichtversichert, ein Ausstieg ist nicht möglich. Das ist weniger schlimm, als es oft klingt: Der Arbeitgeber legt noch einmal denselben Betrag drauf, und für den eigenen Anteil kommt etwa so viel Rente heraus wie im ETF – mit Versicherungsschutz obendrauf. Die richtige Frage für Angestellte ist deshalb nicht „Rente oder ETF?“, sondern „Wie viel ETF zusätzlich?“. Dazu: Rentenlücke mit ETF schließen.
Selbstständige: hier wird es eine echte Entscheidung
Die meisten Selbstständigen sind nicht rentenversicherungspflichtig. Pflicht gilt unter anderem für eingetragene Handwerksmeister (in den ersten 18 Beitragsjahren), Lehrkräfte und Erziehende ohne eigene Angestellte, Hebammen, Pflegekräfte und Kunstschaffende über die Künstlersozialkasse. Alle anderen können freiwillig einzahlen: 2026 zwischen 112,16 € und 1.571,70 € im Monat.
Selbstständige tragen den vollen Beitrag von 18,6 % allein. Damit kippt der Vergleich: Für denselben Euro bringt der ETF rechnerisch oft deutlich mehr. Trotzdem gibt es gute Gründe für ein paar freiwillige Beiträge oder eine Mischung:
- Erwerbsminderungsschutz braucht Pflichtbeiträge in drei der letzten fünf Jahre. Freiwillige Beiträge allein reichen dafür nicht.
- Wartezeit: Für eine Altersrente braucht es mindestens 5 Jahre Beiträge. Wer aus einem früheren Job schon Zeiten hat, kann sie mit freiwilligen Beiträgen auffüllen.
- Lebenslange Basis: Ein Sockel, der bis zum Tod zahlt, macht die Planung des ETF-Depots einfacher.
Wer ganz auf ETFs setzt, sollte Berufsunfähigkeit und Hinterbliebene separat absichern. Eine Altersvorsorgepflicht für Selbstständige ist von der Bundesregierung angekündigt und von der Alterssicherungskommission empfohlen, Stand Oktober 2026 aber noch kein Gesetz. Diskutiert wird eine Pflicht für neue Selbstständige mit Wahlfreiheit zwischen gesetzlicher Rente und privaten Produkten.
Was ist mit dem Altersvorsorgedepot?
Ab dem 1. Januar 2027 gibt es das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot: ein ETF-Depot mit Zulagen von bis zu 540 € im Jahr plus Kinderzulagen. Es ist kein Ersatz für die gesetzliche Rente, sondern eine geförderte Variante des „ETF zusätzlich“. Gefördert werden Pflichtversicherte und – anders als bei Riester – erstmals auch Selbstständige. Für sie ist das Depot eine geförderte Alternative zu freiwilligen Rentenbeiträgen. Zulagen und Beispiele: Altersvorsorgedepot-Rechner.
In 3 Schritten einordnen
- Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung heraussuchen – sie kommt jährlich ab 27 Jahren mit mindestens 5 Beitragsjahren.
- Im Rechner Status, Gehalt oder Gewinn und Alter eintragen und beide Wege vergleichen. Die ETF-Rendite auch einmal auf 4 % setzen.
- Entscheiden, welcher Sockel lebenslang laufen soll und was flexibel im Depot liegt. Den Sparplan selbst plant der ETF-Rechner.
Was dieser Text nicht ersetzt
Keine Renten-, Anlage- oder Steuerberatung. Die Deutsche Rentenversicherung berät kostenlos zu Rentenansprüchen und freiwilligen Beiträgen. Renditen der Vergangenheit sind keine Garantie, und politische Änderungen am Rentenrecht sind nicht vorhersehbar.
Kurz zusammengefasst
Bei gleichem Beitrag liefert ein ETF rechnerisch mehr Monatsrente, die gesetzliche Rente dafür Sicherheit bis zum Lebensende und Schutz bei Erwerbsminderung und Tod. Angestellte bekommen für ihren eigenen Anteil ungefähr ETF-Niveau und sollten zusätzlich sparen. Selbstständige stehen vor einer echten Wahl – und sollten bei reiner ETF-Vorsorge die Risiken separat absichern. Rechne beides im Rechner Gesetzliche Rente vs. ETF durch.
Alle Angaben ohne Gewähr. Keine Renten-, Anlage- oder Steuerberatung. Stand: Oktober 2026.
