Rentenlücke: die kurze Antwort
Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen dem, was du im Alter brauchst, und dem, was die gesetzliche Rente zahlt. Wer 3.500 € brutto verdient, mit 30 anfängt und mit 67 in Rente geht, kommt in heutiger Kaufkraft auf grob 1.250–1.600 € gesetzliche Rente brutto. Für 2.000 € Wunschrente fehlen also einige hundert Euro im Monat. Ein ETF-Sparplan von rund 200 € im Monat schließt diese Lücke im Beispiel fast vollständig – wenn er früh startet.
Deine eigene Lücke: im Rechner Gesetzliche Rente vs. ETF den Modus „Rente plus ETF“ wählen.
Schritt 1: Was bringt die gesetzliche Rente?
Die beste Quelle ist deine Renteninformation. Die Deutsche Rentenversicherung schickt sie jährlich ab 27 Jahren, wenn mindestens 5 Beitragsjahre vorliegen. Online gibt es sie auch im Kundenportal oder über die Digitale Rentenübersicht. Wichtig sind zwei Zahlen:
- Bisher erreichte Entgeltpunkte – die trägst du im Rechner ein.
- Hochgerechnete Rente – sie geht davon aus, dass du bis zur Rente so weiter verdienst wie im Schnitt der letzten fünf Jahre.
Faustregel: Jedes Jahr mit Durchschnittsverdienst (2026: 51.944 €) bringt einen Entgeltpunkt, und ein Punkt ist aktuell 42,52 € Monatsrente wert.
Schritt 2: Was bleibt davon netto?
Die Zahl in der Renteninformation ist brutto. Davon gehen ab:
| Abzug | Größenordnung |
|---|---|
| Kranken- und Pflegeversicherung | rund 11–12 % der Rente |
| Einkommensteuer | auf den Besteuerungsanteil: 84 % bei Rentenbeginn 2026, jedes Jahr 0,5 Punkte mehr, 100 % ab 2058 |
Ob tatsächlich Steuer anfällt, hängt vom Grundfreibetrag und weiteren Einkünften ab. Wer heute 30 ist, sollte damit rechnen, dass die Rente voll steuerpflichtig ist.
Schritt 3: Wie viel brauchst du?
Eine gängige Faustregel sind 70–80 % des letzten Nettoeinkommens. Genauer ist eine ehrliche Liste: Miete oder Wohnkosten (ist die Wohnung abbezahlt?), Lebensmittel, Mobilität, Versicherungen, Hobbys, Reisen, Hilfe im Haushalt. Im Rechner gibst du die Wunschrente direkt in Euro ein, in heutigen Preisen.
Schritt 4: Die Lücke mit ETF schließen
Beispiel: 3.500 € brutto, 30 Jahre alt, 8 Entgeltpunkte schon gesammelt, Rente mit 67, Wunschrente 2.000 € brutto. ETF mit 6 % Rendite und 0,2 % TER, 2 % Inflation, Auszahlung über 25 Jahre bei 4 %.
| Baustein | Monatlich (heutige Kaufkraft) |
|---|---|
| Gesetzliche Rente (rund 38 Entgeltpunkte) | rund 1.610 € |
| Lücke zur Wunschrente | rund 390 € |
| Nötige ETF-Sparrate bis 67 | rund 100 € |
| ETF-Rente aus 200 € Sparrate | rund 790 € |
Mit 200 € im Monat liegst du in diesem Beispiel deutlich über dem Ziel – ein Polster für Steuern, Krankenversicherung und schlechtere Börsenjahre. Die ETF-Rente läuft hier bis 92, die gesetzliche Rente lebenslang.
Warum der Start wichtiger ist als die Rate
Dieselbe Lücke kostet umso mehr Sparrate, je später du anfängst, weil dem Zinseszins die Zeit fehlt. Grob, für 500 € zusätzliche Monatsrente ab 67 (heutige Kaufkraft, 3,7 % real):
| Start mit | Jahre bis 67 | Nötige Sparrate |
|---|---|---|
| 25 | 42 | rund 100 € |
| 35 | 32 | rund 160 € |
| 45 | 22 | rund 290 € |
| 55 | 12 | rund 660 € |
Die Mechanik dahinter erklärt Zinseszins verständlich.
Gesetzliche Rente plus ETF: warum die Kombination gut passt
- Lebenslanger Sockel: Die gesetzliche Rente deckt Fixkosten bis zum Lebensende. Das ETF-Depot muss nur den Rest tragen – und darf in schlechten Börsenjahren auch mal weniger ausgezahlt werden.
- Zwei verschiedene Risiken: Die Umlage hängt an Löhnen und Politik, der ETF an den Kapitalmärkten. Beide gleichzeitig schwach zu erwischen, ist unwahrscheinlicher.
- Flexibilität: Das Depot kann früher angezapft werden, etwa für eine Überbrückung bis zur Regelaltersgrenze oder eine größere Reparatur.
- Vererbbar: Was im Depot übrig bleibt, geht an die Erben.
Ab 2027: das Altersvorsorgedepot
Ab dem 1. Januar 2027 kann der zusätzliche ETF-Sparplan auch in einem staatlich geförderten Altersvorsorgedepot laufen. Die Grundzulage beträgt 50 Cent je Euro auf die ersten 360 € Eigenbeitrag im Jahr und 25 Cent je Euro bis 1.800 €, also höchstens 540 € im Jahr. Dazu kommen Kinderzulagen. Der Preis dafür: Das Geld ist bis zur Rente gebunden, und die Auszahlung wird später voll versteuert. Ein normales ETF-Depot bleibt flexibel.
Was dieser Text nicht ersetzt
Keine Renten-, Anlage- oder Steuerberatung. Die Zahlen sind Modellrechnungen mit festen Renditen, echte Märkte schwanken. Kostenlose Beratung zu deinen Rentenansprüchen bietet die Deutsche Rentenversicherung.
Kurz zusammengefasst
Renteninformation lesen, netto grob abschätzen, Wunschrente festlegen, Lücke mit einem ETF-Sparplan schließen. Je früher du anfängst, desto kleiner die nötige Rate. Rechne deine Zahlen im Rechner Gesetzliche Rente vs. ETF und plane den Sparplan im ETF-Rechner.
Alle Angaben ohne Gewähr. Keine Renten-, Anlage- oder Steuerberatung. Stand: Oktober 2026.
