Worum geht es?
In kaum einer WG sind alle Zimmer gleich groß. Teilt ihr die Miete trotzdem einfach durch die Zahl der Köpfe, zahlt das kleinste Zimmer pro Quadratmeter am meisten – und subventioniert das größte. Fair heißt deshalb meist: Die eigene Zimmerfläche zahlt jeder selbst, Küche, Bad und Flur teilen alle zu gleichen Teilen. Dazu kommen die Nebenkosten, für die je nach Posten ein anderer Schlüssel sinnvoll ist.
Drei Methoden im Vergleich
| Methode | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Gleich pro Kopf | Keine Rechnerei, keine Diskussion. | Kleine Zimmer zahlen pro m² deutlich mehr. |
| Nur nach Zimmergröße | Einfach zu rechnen, nur die Zimmerflächen nötig. | Große Zimmer zahlen auch für Küche und Bad überproportional, obwohl alle sie gleich nutzen. |
| Zimmer + Gemeinschaftsanteil | Jeder zahlt, was er allein nutzt, und teilt, was alle nutzen. | Ihr braucht die Gesamtwohnfläche und alle Zimmermaße. |
Formel: Zimmer + Gemeinschaftsanteil
Mietanteil = Kaltmiete × (Zimmerfläche + Gemeinschaftsfläche ÷ Personen) ÷ Gesamtfläche. Die Gemeinschaftsfläche ist die Wohnfläche laut Mietvertrag minus die Summe aller Zimmer.
Rechenbeispiel: 3er-WG, 85 m², 1.200 € Kaltmiete
Die Zimmer haben 22, 16 und 12 m², zusammen 50 m². Es bleiben 35 m² Gemeinschaftsfläche, also 11,67 m² pro Kopf. Der Quadratmeterpreis beträgt 1.200 ÷ 85 = 14,12 €.
| Zimmer | Gleich pro Kopf | Nur Zimmergröße | Zimmer + Gemeinschaft |
|---|---|---|---|
| 22 m² | 400,00 € | 528,00 € | 475,29 € |
| 16 m² | 400,00 € | 384,00 € | 390,59 € |
| 12 m² | 400,00 € | 288,00 € | 334,12 € |
Bei gleicher Teilung kostet das 12-m²-Zimmer 33,33 € Kaltmiete je m² Zimmerfläche, das 22-m²-Zimmer nur 18,18 €. Mit Gemeinschaftsanteil liegen die Werte bei 27,84 € und 21,60 € – der Unterschied bleibt, weil jeder dieselbe Küche und dasselbe Bad mitbezahlt, ist aber deutlich kleiner.
So geht ihr vor
- Flächen ermitteln. Gesamtwohnfläche aus dem Mietvertrag nehmen, jedes Zimmer selbst ausmessen (Länge × Breite).
- Methode wählen. Bei ähnlich großen Zimmern reicht gleich pro Kopf, sonst Zimmer + Gemeinschaftsanteil.
- Besonderheiten bewerten. Balkon, eigenes Bad oder Durchgangszimmer über Zu- und Abschläge ausgleichen.
- Nebenkosten zuordnen. Für jeden Posten festlegen: pro Kopf oder nach Fläche.
- Festhalten. Ergebnis ausdrucken oder als Link in die WG-Gruppe schicken, damit später niemand rätseln muss.
Nebenkosten: pro Kopf oder nach Fläche?
| Posten | Sinnvoller Schlüssel | Begründung |
|---|---|---|
| Strom | Pro Kopf | Kühlschrank, Herd und Waschmaschine nutzen alle. |
| Internet, Rundfunkbeitrag | Pro Kopf | Fester Betrag, unabhängig von der Zimmergröße. |
| Wasser, Müll | Pro Kopf | Der Verbrauch hängt an Personen. |
| Heizung | Nach Fläche | Ein großes Zimmer braucht mehr Heizenergie. |
| Betriebskosten-Vorauszahlung | Nach Fläche oder wie die Miete | Vermieter rechnen meist nach Wohnfläche ab. |
Den Rundfunkbeitrag zahlt eine Wohnung nur einmal: 18,36 € im Monat, meist als 55,08 € pro Quartal abgebucht. In der 3er-WG sind das 6,12 € pro Person und Monat.
Zu- und Abschläge für besondere Zimmer
Fläche ist nicht alles. Ein Zimmer mit Balkon ist mehr wert als ein gleich großes Durchgangszimmer. Praktisch löst ihr das über einen Prozentwert auf die Zimmerfläche:
- Zuschlag (+5 bis +15 %): Balkon, eigenes Bad, Einbauschrank, ruhige Hoflage.
- Abschlag (−10 bis −20 %): Durchgangszimmer, Straßenlärm, wenig Tageslicht, Dachschräge.
Im Beispiel oben macht ein Zuschlag von 10 % auf das 16-m²-Zimmer rund 15 € im Monat aus: Es zahlt dann 405,54 € statt 390,59 €, die beiden anderen entsprechend weniger. Feste Regeln für die Höhe gibt es nicht – die Werte sind Erfahrungswerte, entscheidend ist eure Einigung.
Sonderfall: Paar in einem Zimmer
Teilen sich zwei Personen ein Zimmer, zahlen sie die Zimmerfläche einmal – aber zwei Kopfanteile an der Gemeinschaftsfläche und an allen Kosten, die pro Kopf verteilt werden. Schließlich stehen zwei Personen in der Küche und unter der Dusche. Wie das Paar seinen Anteil untereinander aufteilt, klärt der Fixkosten-Rechner für Paare.
Typische Fehler
- Warmmiete nach Fläche teilen: Dann zahlt das große Zimmer auch mehr für Internet und Strom, obwohl alle gleich viel nutzen. Miete und Nebenkosten getrennt verteilen.
- Gemeinschaftsfläche vergessen: Wer nur die Zimmer vergleicht, staffelt stärker, als es der tatsächlichen Nutzung entspricht.
- Jährliche Posten übersehen: Nachzahlungen und Jahresbeiträge auf den Monat umrechnen und zurücklegen.
- Nichts aufschreiben: Beim nächsten Mitbewohnerwechsel weiß niemand mehr, wie der Betrag zustande kam.
Wann solltet ihr neu rechnen?
Bei jeder Mieterhöhung, nach der Nebenkostenabrechnung, wenn jemand ein- oder auszieht oder Zimmer getauscht werden. Wer auszieht, findet die Frist im Rechner zur Kündigungsfrist im Mietvertrag; was der Umzug kostet, schätzt der Umzugskosten-Rechner.
Kurz zusammengefasst
Die fairste und am weitesten verbreitete Lösung: eigene Zimmerfläche plus Kopfanteil an der Gemeinschaftsfläche für die Kaltmiete, Strom und Internet pro Kopf, Heizung nach Fläche. Der WG-Kosten-Rechner rechnet alle drei Methoden centgenau durch, berücksichtigt Zu- und Abschläge und liefert eine Übersicht zum Ausdrucken.
Alle Angaben ohne Gewähr. Wie ihr intern aufteilt, ist Vereinbarungssache – kein Ersatz für Rechtsberatung.