Riester ab 2027: die kurze Antwort
Ab 2027 gibt es keine neuen Riester-Verträge mehr, bestehende laufen aber mit Bestandsschutz weiter. Niemand muss etwas tun. Du hast vier Möglichkeiten: behalten, nur die Förderung umstellen, das Guthaben ins neue Altersvorsorgedepot übertragen oder den Vertrag beitragsfrei stellen. Kündigen ist fast immer die schlechteste Wahl, weil dann Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden müssen.
Die vier Möglichkeiten
| Option | Was passiert | Passt, wenn … |
|---|---|---|
| Behalten | Vertrag läuft unverändert mit alter Riester-Förderung | der Vertrag günstig ist oder die Garantie dir wichtig ist |
| Förderung umstellen | per Erklärung gelten die neuen Zulagen für den bestehenden Vertrag | du den Vertrag magst, aber die höhere neue Förderung willst |
| Übertragen | Guthaben wandert in ein Altersvorsorgedepot, ohne Rückzahlung der Zulagen | der alte Vertrag teuer ist und du noch viele Jahre sparst |
| Beitragsfrei stellen | keine neuen Beiträge, Guthaben bleibt bis zur Rente stehen | du gerade nicht sparen kannst |
Neue gegen alte Förderung
| Riester (alt) | Altersvorsorgedepot (neu) | |
|---|---|---|
| Grundzulage | 175 € bei 4 % des Vorjahreseinkommens | bis 540 €, beitragsabhängig ab 120 € |
| Kinderzulage | 185 € / 300 € (Geburt ab 2008) | bis 300 € je Kind |
| Garantie | 100 % der Beiträge und Zulagen | freiwillig, meist ohne |
| Auszahlung | ab 62, lebenslange Rente | ab 65, Plan bis mind. 85 oder Leibrente |
Die alte Pflicht, 4 % des Einkommens einzuzahlen, entfällt im neuen System. Wer bisher wenig eingezahlt und dafür gekürzte Zulagen bekommen hat, profitiert besonders.
Übertragen: worauf achten?
- Unumkehrbar: Wer überträgt, kann nicht zurück zu Riester.
- Garantie fällt weg: Die Beitragsgarantie gilt im neuen Depot nicht mehr, auch nicht für das übertragene Geld.
- Kosten: Bei Versicherungsverträgen sind die Abschlusskosten oft schon in den ersten Jahren bezahlt. Wechselkosten sind gesetzlich begrenzt, aber nicht null. Lass dir den Übertragungswert schriftlich geben.
- Bestandsschutz: Schließt du zusätzlich zu Riester ein neues Altersvorsorgedepot ab, gelten automatisch die neuen Regeln auch für den alten Vertrag.
Faustregeln
- Weniger als 10 Jahre bis zur Rente und ordentliche Garantie: eher behalten.
- Teure Riester-Versicherung mit 1,5 % Kosten oder mehr und 20+ Jahren Laufzeit: Übertragung ernsthaft prüfen.
- Günstiger Riester-Fondssparplan: Förderung umstellen kann reichen.
- Kein Geld für Beiträge: beitragsfrei stellen, nicht kündigen.
Wie viel das neue Depot an Zulagen bringt, zeigt der Altersvorsorgedepot-Rechner. Mehr zum neuen Produkt: Altersvorsorgedepot 2027 erklärt.
Warum Kündigen meist teuer ist
Eine Kündigung vor der Rente ist eine schädliche Verwendung: Alle Zulagen und die Steuerersparnis aus dem Sonderausgabenabzug gehen an den Staat zurück. Bei Versicherungsverträgen kommen Stornoabzüge dazu, und die Erträge werden versteuert. Wer raus will, fährt mit Übertragung oder Beitragsfreistellung fast immer besser.
In 3 Schritten entscheiden
- Beim Anbieter die aktuelle Standmitteilung anfordern: Guthaben, Kosten, garantierte Leistung, Übertragungswert.
- Mit den neuen Zulagen im Rechner vergleichen und die Restlaufzeit ehrlich ansetzen.
- Bei großen Guthaben eine unabhängige Beratung nutzen, etwa bei der Verbraucherzentrale – nicht beim Anbieter, der am Wechsel verdient.
Was dieser Text nicht ersetzt
Keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Fristen und Ablauf einer Übertragung bestätigt dir dein Anbieter. Die Regeln stammen aus dem Altersvorsorgereformgesetz 2026.
Kurz zusammengefasst
Riester-Verträge laufen weiter, ein Wechsel ist freiwillig. Teure Verträge mit langer Restlaufzeit sind Kandidaten für die Übertragung ins Altersvorsorgedepot, günstige oder rentennahe eher nicht. Nicht kündigen – das kostet die gesamte Förderung.
Alle Angaben ohne Gewähr. Keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Stand: Oktober 2026.
