Die kurze Antwort
Der richtige Preis in der Anzeige ist nicht der Marktwert, sondern etwas mehr. Du brauchst drei Zahlen: den Marktwert, also was der Artikel realistisch bringt, deinen Mindestpreis, unter dem du nicht verkaufst, und den Angebotspreis, der so viel Luft lässt, dass du nach der Verhandlung beim Marktwert landest. Dazu kommen Versand und Gebühren, falls welche anfallen.
Wie du den Marktwert selbst ermittelst – per Rechnung und per Vergleich – steht in Gebrauchtpreis berechnen. Hier geht es um den Schritt danach.
Schritt 1: Zielpreis und Mindestpreis festlegen
Der Zielpreis ist der Betrag, mit dem du zufrieden wärst – in der Regel der Marktwert. Der Mindestpreis ist deine Schmerzgrenze. Leg ihn fest, bevor die erste Nachricht kommt. Wer ihn erst im Gespräch sucht, gibt zu schnell nach.
Ein brauchbarer Anker für den Mindestpreis ist die Alternative: das Ankaufangebot eines Händlers, der Preis, zu dem du den Artikel behalten würdest, oder die Kosten für die Entsorgung, wenn er weg muss.
Schritt 2: Verhandlungsspielraum aufschlagen
Die meisten Käufer wollen handeln, und ein Nachlass gibt ihnen das Gefühl, ein gutes Geschäft zu machen. Plane das ein, statt dich darüber zu ärgern:
Angebotspreis = Zielpreis ÷ (1 − Spielraum)
Wie groß der Spielraum sein soll, ist Erfahrungssache. Als Ausgangspunkt taugen 10 bis 15 % – das ist ein Faustwert, keine Statistik. Bei teuren Dingen wie Autos oder Möbeln wird meist mehr verhandelt als bei einem Buch für 8 €.
| Zielpreis | Spielraum | Rechnung | Angebotspreis |
|---|---|---|---|
| 350 € | 10 % | 350 ÷ 0,90 | 389 € → 390 € |
| 350 € | 15 % | 350 ÷ 0,85 | 412 € → 410 € |
| 1.200 € | 10 % | 1.200 ÷ 0,90 | 1.333 € → 1.350 € |
Die Beträge sind Beispielwerte. Wichtig ist die Richtung: Schlägst du zu wenig auf, landest du unter deinem Ziel. Schlägst du zu viel auf, meldet sich niemand.
Schritt 3: Versand und Gebühren einrechnen
Was auf deinem Konto ankommt, ist nicht immer der vereinbarte Preis.
- Versand: Leg vorher fest, wer zahlt, und schreib es in die Anzeige. „Zuzüglich Versand“ ist klarer als ein Preis, in dem das Porto versteckt ist. Vergiss Verpackung und Versicherung nicht.
- Gebühren: Manche Plattformen und Zahlungswege kosten den Verkäufer einen Anteil. Ob und wie viel, ändert sich – prüf es vor dem Einstellen direkt beim Anbieter.
Fällt eine prozentuale Gebühr an, rechnest du sie so ein:
Preis = gewünschter Erlös ÷ (1 − Gebührensatz)
Beispiel mit einem angenommenen Satz von 5 %: Für 350 € Erlös brauchst du 350 ÷ 0,95 = 368,42 €. Was bei einer Zahlung über PayPal übrig bleibt, rechnet der PayPal-Gebührenrechner aus.
Schritt 4: Den Preis lesbar machen
- Runde Zahlen. 390 € liest sich wie ein überlegter Preis, 387,50 € wie ein Rechenergebnis.
- Unter Schwellen bleiben. Viele Käufer suchen mit einer Obergrenze. Ein Angebot für 500 € taucht bei „bis 500 €“ auf, eines für 510 € nicht. Ob du knapp unter oder über einer runden Marke liegst, entscheidet, wer dich findet.
- Zur Konkurrenz passen. Dein Preis steht neben anderen Angeboten für dasselbe. Bist du teurer, braucht es einen sichtbaren Grund: besserer Zustand, mehr Zubehör, Rechnung.
Ein Beispiel von Anfang bis Ende
Angenommen, du verkaufst ein drei Jahre altes Fahrrad, das neu 1.200 € gekostet hat. Der Fahrrad-Wertverlust-Rechner schätzt im Modell rund 650 €; vergleichbare Angebote in deiner Gegend liegen zwischen 600 und 750 €.
| Größe | Wert | Begründung |
|---|---|---|
| Zielpreis | 650 € | Modellwert und Mitte der Vergleichsangebote |
| Mindestpreis | 580 € | Darunter behältst du es lieber |
| Angebotspreis | 720 € | 650 ÷ 0,90 = 722 €, abgerundet |
Bietet jemand 600 €, liegst du über deinem Mindestpreis und kannst dich bei 650 € treffen. Bietet jemand 450 €, weißt du sofort, dass du ablehnst.
Wenn sich niemand meldet
Keine Anfragen nach ein bis zwei Wochen heißen fast immer: zu teuer oder schlecht präsentiert. Prüf zuerst Fotos und Titel, dann den Preis. Senke lieber einmal deutlich als mehrmals um wenige Euro. Speziell für Kleinanzeigen – regionaler Markt, Abholung, VB oder Festpreis – gibt es einen eigenen Ratgeber: Kleinanzeigen: Welchen Preis ansetzen?
Für die Verhandlung selbst: Richtig verhandeln. Alle Schritte vom Wert bis zur Übergabe im Überblick: Tipps für Privatverkäufer.
Alle Beträge sind Rechenbeispiele. Gebühren und Versandkosten der Anbieter ändern sich; maßgeblich sind deren aktuelle Angaben.
